Geschichten aus der Gründerzeit, erzählt von Reinhard Hofmann...

Ja, eigentlich ist es ja 41 Jahre her mit der Gründung der SKG, da aber der erste Auftritt 1971 war, haben wir 2011 Gründungsfest. Aber die Monate davor waren mit viel Arbeit verbunden. Ich kann mich z.B. noch gut an den Rosenmontag 1970 erinnern. Nachdem ich einen Tag Urlaub genommen hatte, stand ich ab 11 Uhr bereit, ausgerüstet mit Kassettenrecorder und Mikrofon. Wo?? Vor meinem Fernseher zu Hause! Von den Rosenmontagszügen Köln – Mainz – Düsseldorf wurde alles aufgenommen, was mit Spielmannszügen zu tun hatte. Ihr könnt euch vorstellen, was das für eine Tonqualität war. Aber für mich reichte es aus. Das, was ich da auf dem Band von den Fanfarenzügen hörte, wurde dann in Noten geschrieben. So entstanden die berüchtigten A – B – C Märsche.

Oder, ich meine es war 1973. Auf alle Fälle war die Zeit der blauen Pullis vorbei, und wir legten uns die wunderschönen gelben Hemden zu, mit den roten Spielmannszugemblemen. Dazu hatte ich in einer Münchner Fahnenstickerei eine Standarte bestellt mit dem Text "Musikzug Unterpfaffenhofen Germering“. Ca. 5 Tage vor einem großen Auftritt in Unterpfaffenhofen, wo wir unsere neue Kleidung und Standarte vorstellen wollten, fuhr ich nach München, um die Standarte zu holen. Da lag die Stoffstickerei ohne Stab nun vor mir, und ich traute meinen Augen nicht. Was war da gestickt: "Musikkapelle Unterpfaffenhofen Germering“ – Was hatten wir damals mit einer Musikkapelle zu tun?? Nichts!! Wir konnten unmöglich mit dieser Standarte auftreten. Der Fehler lag eindeutig bei der Stickerei, aber was half uns das - wir wollten am Sonntag die Standarte vorstellen. Nach vielen Diskussionen und hitzigen Gesprächen konnten wir uns auf eine Alternative einigen. Der Samt wurde in der Mitte quer geteilt, und der obere Abschnitt durch einen neuen ersetzt, natürlich mit "Musikzug“. Die zwei Teile wurden mit einer Goldborte kaschiert. So ging noch alles gut, denn das Wichtigste war: ich konnte die Standarte am Samstag abholen. Ich weiß noch gut, wie stolz Traudl Rampetsreiter war, als Sie das erste Mal die Standarte trug! Übrigens: Standarte und Spielmannszugemblem sind in unserem Kellerstüberl zu begutachten.

Noch eine kleine Geschichte: Es war Sommer 1974. Wir hatten auf der Suche nach einer neuen Auftrittsgarderobe Kontakt zum damaligen Bezirksheimatpfleger Paul Ernst Rattelmüller hergestellt. Er schlug uns die Uniform des Königlich Bay. Grenadier Garde–Regiments vor, wobei erwähnt werden muss, dass der gute Rattelmüller nicht wusste, dass auch Mädchen und Frauen bei uns mitspielten. Eines Abends also hatten wir ein Treffen mit dem Bezirksheimatpfleger beim damaligen Kassier Rudolf Kitzmann und rückten nach 1 Std. Gespräch endlich mit der Wahrheit heraus – eben, dass auch Frauen mitspielten. Seine Reaktion: Kein Problem, es gibt wunderschöne Marketenderinnenkleider für eure Frauen. Das aber kam für uns nicht in Frage. Ihr könnt euch vorstellen, dass sich anschließend eine heisse Diskussion um die Uniformen entwickelte, aber wie ihr wisst, haben wir uns letztlich durchgesetzt. Ein Jahr später nahmen wir beim Oktoberfestumzug teil, wo Rattelmüller Reporter beim BR war. Seine Worte klangen sehr erfreut über die neuen schönen Uniformen. Über die Mädchen und Frauen wurde niemals mehr gesprochen. Anni Baumgartner hat mir zu diesem Thema Uniformen übrigens einen Tipp gegeben. Ich konnte mich daran erinnern, dass wir dies auch Herrn Rattelmüller versprochen hatten: Unsere Mädchen sollten die Haare unter dem Hut verstecken. Das wurde in den ersten Jahren auch eingehalten, jedoch war es nun so, dass die Burschen (wir befinden uns in den 70ern!) teilweise längere Haare hatten als die Mädchen.

Wir sind im Jahr 1975. Frühlingsfest München – die neue Uniform wurde vorgestellt. Wirt Willi Heide war stinksauer, weil wir ihm eigentlich die Präsentation im Rahmen des Maibockanstichs im Heide Volm Planegg versprochen hatten, jedoch – das liebe Geld! Wir hatten ja über 20000 DM Schulden und mussten daher jeden Auftritt annehmen (zur damaligen Zeit waren das teilweise 50 (!) Auftritte pro Jahr. Das müsste man mit den heutigen Mitgliedern mal machen. Natürlich hat er uns zum Maibockanstich engagiert, und es war ein riesiger Erfolg - bis auf eine Kleinigkeit. Wir übten für den Anstich den Bayerischen Defiliermarsch ein, mit Fanfaren, Spielmannsflöten u. der Lyra. Wir waren richtig gut, alle hatten was zu spielen - aber es war eine Katastrophe. Was war geschehen? Nun, ich hatte noch nie die Noten des Marsches gesehen, also schrieb ich sie nach Gehör für die drei Instrumentengruppen auf - in einer falschen Tonart!! Wer sich ein bisschen mit Musik auskennt, kann sich vorstellen was auf uns zukam. Wir marschierten mit Musik ein – Ansprachen, auch zu unserer Uniform – Fassanstich – dann zählte Fred Geisser von der Dachauer Blaskapelle den Marsch ein. Wir also los mit Locke, wunderbar, und dann den Defiliermarsch, ausgerechnet den Defiliermarsch, in zwei verschiedenen Tonarten! Die Dachauer klinkten sich fast komplett aus, bis auf ein paar tapfere Einzelkämpfer, und alle bewunderten unsere Helene Nitsche an der Lyra, die wirklich das komplette Thema brillant durchschlug. Fred Geisser zeigte mir anschließend natürlich die Noten. Naja, dumm gelaufen, meine Schuld. Es wurde dann aber bei einer Mass Maibock noch viel darüber gelacht.


Und jetzt zur letzten Geschichte aus der Gründerzeit. In den Jahren 1975 bis 1980 spielten wir die ersten 3 Jahre täglich u. die anderen Jahre jeden zweiten Tag auf der Wies‘n. Täglich standen wir zweimal auf der Bühne in der Bräurosl. Die Trommler waren damals vor den Bläsern tiefer auf einer zweiten kleinen Ebene platziert und vor der Trommlergruppe war der Durchgang für die Gäste, der natürlich bei unseren Auftritten immer überfüllt war. An der Basstrommel hatten wir seinerzeit den Walter Filser, eine stattliche Erscheinung, aber sonst eher sehr ruhig. Wir spielten also unser Programm ab, Walter Filser wie immer gelangweilt an der Basstrommel. Auf einmal jedoch, mitten unterm Spiel, wird der Walter lebendig, schwingt den Trommelschlegel über den Kopf, spielt kreuz und quer über die Trommel, macht rhythmische Bewegungen, wird doppelt so laut, und oft auch doppelt so schnell. Grund: Immer standen vor ihm einige hübsche Mädchen, die ihn bewundernd anschauten“. Aber alle Zurechtweisungen vom Orchester brachten nichts, Walter sah hübsche Mädchen und flippte aus. In dieser Zeit war Josef Nietsche unser Tambourmajor, der unten in der Mitte des Ganges stand, und mit Walter oft seine rhythmischen Probleme hatte. Trotz alledem, lustig war‘s immer.

So, das waren einige kleine Geschichten aus der Gründerzeit, Und vielleicht bin ich ja in 10 Jahren zum 50igsten auch noch dabei - dann schreibe ich noch mal ein paar kleine Anekdoten aus den Anfangsjahren der Stadtkapelle.

euer Reini

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