Vom Spielmannszug zur SKG

Blick zurück mit Stolz - Die Gründerzeit der Stadtkapelle

Erzählt von Reinhard Hofmann
aufgeschrieben von Johanna Schneider

30 Jahre ist es nun her, anno 1971, da hatte ich plötzlich eine Vision. – Quatsch, so war es natürlich nicht – und doch! Schon als kleines Kind liebte ich Musik und als Pimpf mit 10 Jahren tanzte ich mit Begeisterung bei Herbert Thiemann im Tanzkreis Rübezahl. Der hatte eines Tages die Idee einen Fanfarenzug zu gründen, bei dem ich unbedingt mitspielen wollte. Bei Umzügen hatte ich so etwas schon gehört, und als Zuschauer davon geträumt mitzuspielen. Also übte ich fleißig das Blasen der Fanfare. Leider löste sich der Fanfarenzug bald wieder auf, aber bei mir hatte sich der Virus festgesetzt und wirkte weiter. Wenn es irgendwo einen Umzug gab, der Reini lauschte mit Begeisterung den Fanfaren, Flöten und Trommelklängen und in meinem 20igstem Lebensjahr etwa reifte in mir der Entschluß selbst einen Spielmannszug aufzuziehen. Mit großem Elan, gepaart mit einer Portion Sturheit setzte ich meinen Wunsch in die Tat um. Meine Freunde aus dem Tanzkreis, alle zwischen 12 und 20 Jahren, überredete ich Musiker zu werden und mit mir einen Spielmannszug aufzubauen.

Einige Fanfaren, Marsch- und Landsknechtstrommeln waren vom früheren Fanfarenzug noch vorhanden. Das war aber längst nicht genug, ich wollte schon etwas Gescheites machen. Also setzte ich einen Schnorrerbrief auf und ging bei den Germeringern auf Sponsorensuche. Und tatsächlich konnte ich einige Firmen überzeugen, ein paar DM in unser Vorhaben zu investieren. Stolze DM 400.— kamen zusammen und die Sudetendeutsche Landsmannschaft rundete mit der damals ungeheueren Summe von DM 600.—auf einen glatten Tausender auf.

Jetzt wurden die noch benötigten Instrumente angeschafft und dann begann für mich die Knochenarbeit. Meine Freunde hatten keinerlei Vorbildung, weder musikalisch, noch instrumental. Ich hatte allerdings in 1 ½ Jahren Klavier-unterricht die wichtigsten Grundkenntnisse erlernt. Also lag es an mir, alles zu managen. Ich lernte zunächst selbst alle vorhandenen Instrumente, um sie dann meinen Schützlingen zeigen zu können.

Geld für Noten hatten wir nicht, also schrieb ich sie selbst nach Gehör von Radio- oder Schallplattenmusik für unsere Instrumente auf. Jede freie Minute war ich im Jugendheim und probte mit meinen jungen Musikern. Und dann, irgendwann im Jahr 1971 war es so weit, mein Spielmannszug hatte seinen ersten Auftritt. Daran erinnere ich mich noch sehr genau; es war ein autofreier Sonntag und wir spielten im Hallenbad Fürstenfeldbruck die Siegerfanfare. Wir waren zwar aufgeregt, aber alles hat geklappt und wir platzten vor Stolz. Wir übten fleißig weiter und konnten bald schon den ABC-Marsch, den Fehrbelliner Reitermarsch und die Kreuzritterfanfare, und so folgten weitere kleine Engagements. Unseren Wunsch nach einem einheitlichem Gewand setzten wir schnell in die Tat um. Wir trugen alle eine schwarze Hose, einen hellblauen Pulli mit aufgenähtem Emblem, das neben einer Lyra auch unseren damaligen Namen trug. Wir nannten uns stolz Spielmannszug Unterpfaffenhofen-Germering.

Wir sind nun schon im Jahre 1972, und unsere Pullis gefielen uns nicht mehr, also wurden sie durch ein viel eleganteres gelbes Hemd ersetzt und bei den Umzügen, die jetzt immer zahlreicher wurden, konnten wir eine eigene Standarte mittragen. In diesem Jahr heiratete ich auch, und natürlich hat mein Spielmannszug zur Hochzeit aufgespielt. Wir knüpften Kontakte zu anderen Musikvereinen und wurden von der Blaskapelle Ohlsdorf nach Österreich zu einem Wochenendbesuch eingeladen, bei dem wir sehr viel Spaß hatten.

Mit der Zeit gefiel uns auch unser gelbes Hemd nicht mehr und wir suchten nach einem neuen Outfit. Wir entwarfen zu unserer schwarzen Hose ein Landsknechtgewand, das wir an zahlreichen Wochenenden selbst herstellten. Damals waren wir bei vielen Faschingsumzügen ein bunter Farbtupfer. Von den Gagen konnten wir uns eine 2. Lyra und noch weitere Instrumente anschaffen und unser Repertoire erweitern.

Jetzt gesellten sich zu unserer Gruppe nach und nach auch andere Instrumente, Trompeten, Tenorhorn, Saxophone usw. und unser Repertoire veränderte sich allmählich. Unser erster Marsch als Vollmusik war die Schützenliesl, andere kamen hinzu. Plötzlich wurden meine Musiker mit den Problemen der Harmonie- und Musiklehre konfrontiert. Großes Murren ging durch die Reihen, als ich eines Tages eine Schultafel in den Raum stellte und wir den Quintenzirkel erarbeiteten. Aber was half‘s, es mußte sein. Nach einer halben Stunde etwa war das Rätsel der Kreuze und B’s gelöst.

Anfang 1974 hatte Herbert Thiemann eine Idee. Der Spielmannszug Unterpfaffenhofen-Germering sollte sich eine richtige Uniform zulegen. Wir wandten uns an Bezirksheimatpfleger Paul Ernst Rattelmüller, den kompetentesten Fachmann in Fragen Uniform. Im Armee-Museum in Ingolstadt konnten wir uns die Uniformen an einem Regiment Zinnsoldaten betrachten und wir entschieden uns für das Königlich Bay. Grenadier Garde-Regiment von 1814 – 26 von König Max I. Joseph von Bayern, die wir beim Jubiläumskonzert „30 Jahre Musik“ immer noch tragen. Aber nun war wieder die Frage – wer soll das bezahlen? Für rund DM 20.000.—wurden 20 Uniformen in Auftrag gegeben.

Meine Freunde Peppi, Rudi und ich hafteten mit unserem Privatvermögen, die Kasse war allerdings leer. Jetzt mußten wir fleißig sein, damit das Geld wieder hereinkam. Beim Frühlingsfest in München im April 1975 haben wir unsere neue Uniformzum ersten mal vorgestellt und wir gefielen uns sehr gut darin. Auch die örtliche Presse berichtete ausführlich darüber. Mit unserer schönen Uniform brauchten wir uns um Auftritte nicht zu sorgen. Wir wurden zum großen Münchner Oktoberfest Trachten- und Schützenzug eingeladen, dem wir bis heute treu geblieben sind. Geschäftsführer Huber teilte uns in einem Dankesbrief seine Freude über einen „sehr sauberen Spielmannszug in historischen Uniformen“ mit. Täglich gaben wir während der Wies’n im Bräu-Rosl-Zelt kurze Einlagen, was die Kasse füllte und unseren Ansatz steigerte.

Jetzt ging es so richtig los. Auch im Ausland wurden wir engagiert. Wir spielten in Krems, in Innsbruck, natürlich wieder in Ohlsdorf. Unser vielleicht schönster Auftritt war in der Wiener Hofburg. Ich war immer noch Leiter und Musiker. Mein Lohn war der Spaß an der Freud.

Allmählich entwickelten wir uns zu einer großen Blaskapelle und beschlossen einen professionellen Dirigenten zu engagieren, den wir in Horst Gmeinwieser, einem wunderbaren Posaunisten und Musiklehrer, fanden. Ich konnte mir das Ganze nun von der weniger stressigen Seite des Nur-Musikers betrachten. Wir nannten uns jetzt auch Musikzug Unterpfaffenhofen/Germering und waren in der Gemeinde eine feste musikalische Größe.

Wir spielten und spielen Ständchen, Umzüge, Standkonzerte und als Höhepunkt unser Jahreskonzert mit großem Besucherandrang. Nach 10 Jahren verließ uns Herr Gmeinwieser und wir bekamen als Dirigenten unseren unvergessenen Gerry Friedrich, den wir wie unseren musikalischen Vater empfanden. Er war streng, zeigte aber einen unermüdlichen Einsatz und brachte uns musikalisch unglaublich vorwärts.

Als Germering 1990 zur Stadt erhoben wurde, spielten wir bei der großen Stadterhebungsfeier, der auch Ministerpräsident Stoiber beiwohnte. Seit dieser Zeit dürfen wir uns Stadtkapelle Germering nennen.

Nach dreißig Jahren zurückblickend, sehe ich die Höhen und Tiefen in der Entwicklung meines „Kindes“ vor meinem geistigen Auge, und ich bin immer noch sehr stolz auf unser gemeinsames Werk. Als Musiker immer noch voll bei der Sache bin ich dankbar, daß es stets Menschen gab und gibt, die sich engagieren und mitmachen und mir persönlich über einige Krisen hinweggeholfen haben.

Euer Reini

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