Stadtkapelle bietet im Orlandosaal ein Erlebnis der Extraklasse

Zum Weihnachtskonzert für Senioren, gestaltet von der Stadtkapelle Germering schrieb ARNO PREISER vom Fürstenfeldbrucker Tagblatt diesen Artikel.

Aus der von der Stadtkapelle gerne übernommenen Pflicht, am vierten Advent im Orlandosaal der Stadthalle das Weihnachtskonzert für Senioren zu gestalten, machte Dirigent Julio Mirón ein musikalisches Erlebnis der Extraklasse. Zur feierlichen Einstimmung des zahlreichen Publikums trat das Blechbläserensemle auf. Die Stadtkapelle ließ sich bei Schostakowitschs "Festlicher Ouvertüre" zu aufregenden rhthmischen Abenteuern motivieren, wie sie nur ein Großmeister der klassischen Moderne ersinnen konnte.

Zur Glättung der Wogen erklang das gemächliche "Siciliano" von Travor Ford, der bereits 15-jährig Oboist in der englischen Marine wurde. Mit weiten Bewegungen lenkte Mirón  die ruhige Melodik und steigerte sie nach und nach zu kräftigem, breitem Sound. Er bearbeitet die folgende Kostprobe aus Saint-Saens' Oper "Samson und Dalila", mit der sich Franziska Rabl  (Gärtnerplatztheater) als durchdringender, weich timbrierter Mezzosopran vorstellte. Zu vibrierendem Holzbläserklang überzeugte sie bei der Arie "Mon coeur" mit Steigerungen des Gefühlsausdrucks, Samson zu umgarnen.

Bei Miróns Arrangement von Melodien aus dem Bühnenstück "Der Frühling im Prater" von Robert Stolz, wechselte sie wie selbstverständlich vom Opern- zum Operettenfach. Ihre Liebeserklärung "Du bist auf dieser Welt der Mann, der mir gefällt", hatte Charme. Die Show, die Elisabeth Krumm und Jens Reichert als Moderatoren mit launigen Lesungen bereicherten, endete mit Ravels "Bolero", in seiner Steigerung kühl kalkuliert. 

Adventliche Wärme brachten Weihnachtslieder herüber, wo Franzika Rabl leuchtend von "Es ist ein Ros' entsprungen" sang, sowie dann in Mundart "Es wird scho glei dumper".

Den "Kaiserwalzer" von Johann Strauß entfaltete Mirón in seinen unterschiedlichen Phasen überlegen, vom sanften Beginn über militärisch anmutende Passagen bis zu solchen von wienerischem Schwung mit lieblichen wie rigorosen Momenten. Zu erleben war fast so etwas wie eine sinfonische Dichtung.

Bei der abschließend folgenden Gegenüberstellung von Piazzollas Tango-Kompositionen "Adios Nonino" und "Oblivion" behauptete Yoko Seidel (Klavier) ihren Platz im stimmungsvollen Gefüge der Bläserstimmen. Sanft, dabei zügig vollzog sich der Abschied vom Großvater, düstere Stimmung umgab das wehmütige Vergessen der Militärdiktatur Argentiniens. 

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